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Revelation of Hope – Hoffnung hinter den Mauern philippinischer Gefängnisse

Nach vielen Vorbereitungen, Gebeten und Englisch-Training machten wir uns am Sonntag, 5. Oktober 2025, als eine Gruppe von 15 Personen – unter der Leitung von Christian und Bettina Stroeck – auf den Weg auf die Philippinen. Im Gepäck: unsere Bibel- und Gesundheitsvorträge, medizinisches Material, viel Vorfreude auf drei Wochen Abenteuer und neue Brüder, etwas Unsicherheit und ganz viel Gottvertrauen.

Los geht’s
Der 13-stündige Hinflug verlief reibungslos und wir erkundeten bei der Zwischenlandung in Singapur den Flughafen, der sich herrlich begrünt präsentierte. Weiter ging es nach Manila, wo uns ein Kulturschock erwartete – die Stadt ist bunt, lebendig, auf den Strassen wird fleissig freundlich gehupt, die Jeepneys röhren und Armut (Obdachlosigkeit) tritt klar zutage. Spannend sind auch die Stromleitungen, welche sich teilweise als dicke, fantasievolle Bündel durch die Strassen winden. Obwohl der Verkehr chaotisch scheint, gibt es scheinbar nur wenige Kollisionen.

Uns empfing auch ein heiss-feuchtes Klima – an welches wir uns mit viel Schwitzen zuerst einmal gewöhnen mussten. Um den Jetlag sanft ausklingen zu lassen, galt es, den Tag nicht zu früh abzuschliessen. Daher genossen wir den Nachmittag in der grossen Mall und fielen anschliessend todmüde ins Bett. Den folgenden Tag verbrachten wir gemütlich in Manila.

Am Mittwoch ging es früh am Morgen per Bus ans Meer und mit der Fähre rüber auf die Nachbarinsel Mindoro. Nach einer weiteren 3-stündigen Busfahrt erreichten wir unser Resort Countrywoods bei Sablayan, wo wir unsere gemütlichen, einfachen Hütten bezogen und uns für die nächsten 10 Tage einrichteten.

Am Abend trafen wir unsere Übersetzer Louie, Abel, Eric und Leo. Besonders Louie und Abel kümmern sich im Rahmen der Laymen-Ministry auch neben unserem Philippinen-Einsatz aufopfernd um die Gefangenen in den 4 Gefängnissen der Sablayan Prison und Penal Farm, verbringen jeden Sabbat im Gefängnis, begleiten unter der Woche Treffen und versorgen die Gefangenen mit Lebensmitteln, da die Rationen in den Gefängnissen eher knapp bemessen sind.

Ab in die Gefängnisse
Am Donnerstag ging es endlich das erste Mal in die Gefängnisse – zuvor fuhren wir jeweils mit 2 Fahrzeugen zum Superintendenten der Gefängnisse, um die Tages-Besuchserlaubnisse abzuholen, bevor wir uns dann auf unsere Gefängnisse verteilten. Hier trafen wir auf eine Hundemutter mit ihren süssen Welpen, die nicht nur uns Frauen begeisterten! Am liebsten hätte ich einen mit nach Hause genommen!
Wer Bibelvorträge hielt, blieb während dieser 10 Tage in demselben Gefängnis, unsere Frauen mit den Gesundheitsvorträgen wechselten das Gefängnis täglich.

Einblick in die Gefängnisse und ihren Alltag
Alle 4 Gefängnisse befinden sich wie unterschiedlich grosse Inseln auf einem gemeinsamen Areal. Die Insassen sind in drei Sicherheitsstufen eingeteilt, ersichtlich durch ihre T-Shirt-Farbe: orange (Maximum), blau (Medium) und braun (Minimum). Während die Gefangenen im braunen Shirt ausserhalb der eigenen Gefängnismauern auf den Feldern arbeiten, dürfen diejenigen mit blauem und orangem Shirt das Gefängnis nicht verlassen.

Die Gefangenen freuten sich jedes Mal sehr über unseren Besuch, da er für sie eine willkommene Abwechslung darstellte und sie sehr gespannt auf unsere Vorträge und Erfahrungen waren. Die Kapellen kann man sich wie kleine Kirchen mit Wellblechdach innerhalb der Gefängnismauer vorstellen, in welchen sich die Gefangenen für Gottesdienste und Bibelstudium treffen können. Gesungen werden meistens die gleichen Lieder ab einer einfachen Flipchart (Vorder- und Rückseite vollgeschrieben). Es war keine Seltenheit, dass ein Hund oder eine Katze durch die Bänke spazierte oder wir mitten in einer Predigt einen Hahn krähen hörten.

Die 4 Gefängnisse
Pasugi (B. Studer): Hier leben vor allem Gefangene der Gruppe Orange und einige der Gruppe Blau. Die Anfahrt ist, dank der mit Löchern übersäten und teilweise steilen, manchmal schlammigen Strasse, sehr abenteuerlich – die Stossdämpfer wurden ausgiebig genutzt. Vor jedem Eintritt wurde unser Team abgetastet – geschlossene Schuhe mussten jeweils ausgezogen werden.
Die Gemeinde besteht hier aus ca. 25 Häftlingen.

Matatag (A. Studer): Von den ca. 400 Häftlingen kamen jeweils ca. 30–40 Personen zu den Vorträgen. Es waren meist ältere Gefangene (+/- 50 Jahre), die seit 20–30 Jahren inhaftiert sind, was eine lockere und ruhige Atmosphäre ergab. Sie liebten es, Bibeltexte und Zeugnisse zu erzählen und zu hören. Die Eindrücke waren sehr schön und speziell. Das Beste war, dass wir seitlich sassen, und dadurch den Männern ins Gesicht schauen und ihre Stimmung miterleben konnten.

Siburan (B. Saliba): Insgesamt sind hier ca. 660 Gefangene der Stufe Minimum inhaftiert. Pro Vortrag kamen etwa 15 bis 25 Gefangene – da es eher wenige waren, konnten wir uns mehr Zeit für die einzelnen Gefangenen nehmen. Das haben sie sehr geschätzt und sich jedes Mal gefreut, wenn wir kamen.
Diese Insassen haben die Möglichkeit, tagsüber zu arbeiten und damit Geld zu verdienen, welches sie dann nutzen, um Essen, Kleidung oder Sonstiges zu kaufen.

Central: Dies ist das grösste Gefängnis mit ca. 2000 Häftlingen aller Sicherheitsstufen. Der Zutrittsvorgang ist hier auch am aufwendigsten (inkl. Körperscan). Nach dem letzten Tor wurden wir jeweils von Häftlingen in Empfang genommen und – wenn nötig mit Sonnenschirmen beschützt vor der Sonne – durch das ganze Gefängnis geleitet, da die Gemeinde in der hinteren Ecke des Areals liegt. Obwohl ich oft die einzige Frau auf weiter Flur war, fühlte ich mich zu keinem Moment unwohl – ich wurde selten mit so viel Aufmerksamkeit und Respekt behandelt wie hier!
An den Vorträgen nahmen ca. 90 – 150 Personen teil.

Bewegende Erlebnisse
In der nahe gelegenen Stadt Sablayan besuchten wir den Bürgermeister und anschliessend durften wir im Untersuchungsgefängnis an einer bewegenden Taufe teilnehmen. Auch dort sind Louie und Abel als Missionare tätig.

Dank des unermüdlichen Einsatzes unserer Übersetzer durften in der zweiten Woche in allen 4 Gefängnissen Taufen stattfinden, was für uns ein besonderes und bewegendes Ereignis war, da wir unterdessen die Häftlinge etwas besser kennengelernt hatten. In den kleineren Gefängnissen liessen sich je ca. 10 Personen taufen, im Central 42 Personen).

Ich sehe meine Stärken eigentlich nicht in der Mission, aber die Häftlinge haben es mir sehr einfach gemacht, mit Begeisterung von unserem Gott zu sprechen! Viele haben erst im Gefängnis zum Glauben gefunden und saugen die Botschaft förmlich auf – erstaunlich sind auch ihre Fragen! Jeden Sabbat wird der Merkvers auswendig aufgesagt und am 13. Sabbat sogar alle 13 Merkverse! Und sie singen sehr gerne – es ist ein Vergnügen, diese Männerstimmen zu hören!
Besonders beeindruckt haben mich ihre Dankbarkeit und Zufriedenheit sowie ihre Reinlichkeit (sie waren immer gepflegt in sauberen Kleidern anwesend), obwohl sie nicht viel besitzen. Besonders gerne hören sie Zeugnisse voneinander. Diese Atmosphäre vermisse ich besonders. Die Philippinos sind ein freundliches Volk und lächeln gerne zurück, auch wenn sie nur sehr wenig zum Leben haben.

Wir besuchten jeweils am Vormittag die Gefängnisse und nutzten den Nachmittag, um den Pool zu geniessen, unseren Vorträgen den letzten Schliff zu geben, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und wunderschöne Sonnenuntergänge um ca. 18 Uhr zu geniessen oder für Ausflüge, z. B. zu den Aruyan Falls auf dem Gefängnisgelände, zur ZIP-Line zwischen zwei Inseln oder für Shopping in der Stadt. Als Team hatten wir jeden Morgen eine Andachtszeit mit einem Gedanken zu Paulus von Christian und am Abend sangen wir gemeinsam Lieder und tauschten uns in kleinen Gruppen über ein biblisches Thema aus.

Die Ehefrauen zweier unserer Übersetzer verköstigten uns fürstlich im Ressort – wir durften die philippinische Küche in verschiedenen Variationen, Formen und Farben – jeweils mit viel Reis – kennenlernen.

Abruptere Abreise
Aufgrund einer Taifun-Warnung verliessen wir Mindoro 2 Tage früher und verbrachten diese in Manila – wieder ein kleiner Kulturschock nach der Ruhe auf der Insel. Wir waren sehr dankbar, dass die Auswirkungen des Taifuns schlussendlich weniger gross waren als erwartet – überhaupt waren wir auch wettertechnisch sehr gesegnet! Meist war das Wetter schön und leicht sonnig (und damit heiss), und Regen erlebten wir kaum – die Regenzeit galt dieses Jahr sogar offiziell früher als beendet als in vorhergehenden Jahren – gleich zu Beginn unserer Reise. Und wir lernten die Nutzung eines Regenschirms bei Sonnenschein zu schätzen!

Wie geplant, flogen wir am Dienstag weiter nach Singapur und verbrachten dort die Zeit mit Sightseeing und Shopping bis Donnerstagabend. Am Freitagmorgen um 01.30 Uhr startete der Flieger zurück in die Schweiz.

Unvergesslich
Was wir erlebt haben, hat uns beeindruckt und bewegt und unsere Sicht auf unsere Mitmenschen und unsere Umwelt verändert. Wir wurden bereichert durch neue Beziehungen und sind voller wertvoller Erfahrungen mit Gott und vielen Erinnerungen zurückgekehrt, die hoffentlich noch lange nachwirken. Viele von uns wurden aus ihrer Komfortzone geholt, dennoch würden wohl die meisten von uns sofort wieder gehen – wir tragen unsere Brüder (und Schwestern) auf Mindoro im Herzen mit uns und hoffen, dass wir sie wiedersehen, entweder beim nächsten Besuch oder sonst spätestens bei der Wiederkunft! Diese Zeit ist eine Erfahrung, die wir nicht mehr missen möchten! Von Mission im Ausland zu hören, ist eine Sache, sie zu erleben, eine ganz andere!


Wir können jedem nur empfehlen, es auch auszuprobieren – das Verlassen der eigenen Komfortzone ist herausfordernd, aber auch enorm wertvoll und bereichernd, und man wächst garantiert in der Beziehung zu Gott!

Kevin Studer

Simone Studer